Nachdem ich 2 Wochen Tauchen auf Layang Layang
hinter mich gebracht hatte und Vik in der 2. Woche spontan dazugestoßen war, wollten wir uns in den
verbleibenden paar Tagen eigentlich noch 2 Dinge anschauen: große, rote Affen und Sipadan. Sipadan ist eine
kleine Insel in der Celebes-See, östlich von Borneo, die sich ähnlich wie Layang Layang wie eine
Nadelspitze aus dem Meer erhebt. Das Riff rings um die Insel fällt senkrecht bis in eine Tiefe von 600 m
ab. Auf Layang haben wir mehrere Taucher getroffen, die von
Sipadans Tauchplätzen geschwärmt haben, gerade um diese Jahreszeit, deswegen war das ein Muss.
Für die großen, rote Affen stand
Sepilok zur Debatte, ein Rehabilitationszentrum für Orang-Utans, deren Lebensraum in Borneo durch
Abholzung der Regenwälder immer weiter eingeschränkt wird. Die Affen scheiterten schließlich an der
fehlenden Möglichkeit, Autos auf Borneo oneway zu mieten, wir hätten den Wagen wieder nach Kota Kinabalu
zurückbringen müssen, was angesichts der knappen Zeit ein Stress war, den wir uns nicht antun wollten.
Also keine Affen, stattdessen setzen wir uns in den Dyana Express Nachtbus nach Semporna, einem Ort im
südöstlichsten Zipfel Sabas, und Ausgangspunkt für Tauchtouren nach Sipadan. 400 kurvige Dschungelkilometer
und 9 Stunden später kommen wir auch tatsächlich morgens um 4 Uhr in Semporna an. An der Busstation stehen
auch um diese frühe Morgenstunde ein paar Einheimische, die gegen überhöhte Preise die Ankömmlinge in
Privatautos in ihre Unterkünfte karren. Taxen Fehlanzeige. Angesichts meines Tauchgepäcks und des fehlenden
Wissens, wo genau man in diesem Ort denn wohl Scuba Junkie findet,
sind mir die 10 Ringgit (etwas mehr als 2,- EUR), die der Kollege uns abknöpft, auch fürchterlich egal,
auch wenn es maximal hätte die Hälfte sein dürfen. Das Einchecken bei
Scuba Junkie, einem Tauchcenter mit angeschlossenem
Backpacker, dauert dann auch nur noch eine Stunde, weil der Kollege an der Rezeption den richtigen Schlüssel
für unser vorbestelltes Zimmer nicht findet. Ansonsten gibt's nichts zu meckern, die Zimmer sind sauber, geräumig
und für einen vernünftigen Preis zu haben. Um 5.30 Uhr fallen wir dann endlich todmüde ins Bett.
Zwei Stunden später geht's auch schon los, nach dem Einchecken im Divecenter geht's aufs Meer hinaus, die Bootsfahrt nach Sipadan dauert ca. 1 Stunde. Bei der Ankunft fällt sofort die Militärpräsenz auf, wohl Folge der Entführung von 21 Touristen, darunter die deutsche Familie Wallert, im Jahr 2000 durch philippinische Abu Sayyaf-Rebellen. Seitdem ist das Resort auf der Insel geschlossen, ein Aufenthalt nur tagsüber erlaubt. Außerdem ist die Anzahl der erlaubten Besucher auf 100 pro Tag limitiert, wobei ich aber angesichts der Anzahl Boote und Menschen, die schon vor uns eingetroffen sind, nicht den Eindruck habe, dass diese Anzahl sonderlich streng eingehalten wird.
Wir setzen uns jedenfalls zügig Richtung South Point, unserem ersten Tauchplatz, ab.
Beim Sprung ins Wasser landen wir direkt auf
2 Weißspitzenriffhaien, die sich nicht
stören lassen und weiter ihre Bahnen ziehen. Auf dem Riff hocken 2 Schildkröten und halten eine etwas verfrühte
Siesta. Beim Abtauchen über die Riffkante ziehen 4 Graue Riffhaie unter uns vorbei, darunter ein süßer kleiner
Baby-Hai. Wir genießen die 28 Grad Wassertemperatur bei Sichtweiten um 40 m. Unten auf einer Geröllfläche liegt faul
ein Leopardenhai herum. Bei unserem weiteren Zug am Dropoff entlang spotten wir insgesamt 15 Weißspitzenriffhaie,
sowie Tonnen und Abertonnen von
Kröten.
Während im Rest der Welt jede Kröte von einem Taucher mit großem Hallodri empfangen und seinem Buddy mit großer
Begeisterung angezeigt wird, lässt man dies auf Sipadan nach spätestens 10 Minuten sein, es gibt hier Kröten wie
andernorts Papageifische, bis zu 50 bei einem Tauchgang sind keine Seltenheit. Nachdem wir an Kröten die Lust verloren
haben, folgen wir unauffällig einem
Jello-Barrakuda,
der einsam am Riff abhängt und den Tag totschlägt. In den Korallen am Dropoff finden wir ein paar Langnasen-Büschelbarsche und einige
Nacktschnecken.
Nach 50 Minuten Tauchzeit geht es langsam Richtung Safety Stop und was taucht da auf? Ein Riesenschwarm
Großaugen-Stachelmakrelen,
in denen wir wie schon auf Layang baden können.
Inkognito haben sich ein paar Dickkopf-Stachelmakrelen unter sie gemischt. Wir wollen schon auftauchen, da taucht das
nächste Highlight auf: eine Horde von 30
Büffelkopf-Papageifischen zieht übers Riff und tut sich an den Korallen gütlich. Büffelkopf-Papageifische sind eher selten, ein einziges Mal
habe ich sie bisher gesehen, nämlich vor 5 Jahren am St. Johns Reef in Ägypten. Völlig baff tauchen wir nach einer
guten Stunde auf, 3 Haiarten, darunter schlappe 15 Weißspitzen, Kröten bis zum Abwinken, Barrakudas, Schwärme von
Stachelmakrelen und Büffelköpfe, nicht zu reden von ein paar fetten Muränen und den Top-Korallen, geht's eigentlich
noch geiler?
Genau dies versuchen wir wenig später am Barracuda Point herauszufinden. Der Platz macht seinem Namen alle Ehre, denn neben ein paar einzelgängerischen Großen Barrakudas treffen wir auch auf einen Schwarm der kleineren Yellowtail-Barrakudas. Weißspitzen hat's hier auch ein paar. Ansonsten hat der Barracuda Point heute nicht ganz so viel zu bieten, wie der South Point, ein paar Nudis, Muränen und einen Krokofisch sehen wir noch.
Nach dem 2. Tauchgang geht es die 15 Minuten Fahrt rüber nach
Mabul, wo es am Pier des
Sipadan Mabul Resorts erstmal heißt: "Essen fassen". Anschließend springen wir am Froggies Lair zum 3. Mal heute
ins Wasser. Tauchgänge auf Mabul sind in der Regel "Muck Dives" und der völlige Gegensatz zum nur wenige Kilometer
entfernten Sipadan. Keine Dropoffs, sandiger Boden, wenig Korallen, schlechte Sicht (5 - 10 m), kein Großfisch, dafür
aber viel, viel Kleinzeugs,
welches man mit
scharfen Adleraugen hier suchen muss. Und Kleinzeugs hat es reichlich. Wir spotten
1,
2,
3,
4,
5 verschiedene Arten Nacktschnecken, verschiedene Arten
Seenadeln,
Plattwürmer, mehrere Garnelenarten, mehrere hektisch herumtanzende juvenile Harlekin-Süßlippen,
Krokodilsfische,
Muränen,
kleine Barrakudas und
Feilenfische. Highlight ist aber der
schwarze Anglerfisch, der so perfekt
dem schwarzen Schwamm gleicht, in dem er sich verkrochen hat, dass ich ihn noch nicht mal sehe, als unser
Guide draufzeigt. Erst als mir auch noch Mund und Augen gezeigt werden, sehe ich, wen ich da vor mir habe.
Am nächsten Morgen wird's leider auch von oben feucht, das schöne Wetter hat sich verabschiedet und einer
fetten Regenfront Platz gemacht, die uns auch den
ganzen Tag von oben durchnässt, sodass es ungemütlich kalt wird auf dem Boot. Wir versenken uns zuerst mal in den
Hanging Gardens und tauchen auf 41 m ab, denn dies hier soll der Platz sein, an dem man auch
auf Sipadan die Chance auf Hammerhaie hat. Ein- bis zweimal pro Woche werden sie hier angeblich gesichtet. Ich
erhasche in der Entfernung auch eine größere Haiflosse, doch zu welcher Art sie gehört, kann ich nicht erkennen.
Ansonsten hat es die Standardhaie hier, Weißspitzen und Graue Riffhaie, dazu noch die üblichen
2 Millionen Kröten. Auf der Suche nach
Kleinzeug finden wir noch ein paar hübsche
Fadenschnecken.
Tauchgang Nummer 2 heute findet direkt am Bootsanleger an der Nordspitze der Insel statt. Da es direkt unterm
Anleger senkrecht in die Tiefe geht, heißt der Spot folgerichtig Drop-Off. Die Weißspitzen
beachten wir schon gar nicht mehr, den Schwarm Großaugen-Stachelmakrelen allerdings schon. Wie üblich haben sich
ein paar Riesen-Stachelmakrelen darunter gemischt. Ich beobachte 5 Minuten lang einen
Fangschreckenkrebs,
der sich bemüht, seinen Höhleneingang freizuhalten. Auf halbem Weg zum Ausstiegspunkt passieren wir eine große
Höhle, deren Eingang mit
Totenkopf-Warnschildern zugeplastert ist. Wird wohl schon einige Unfälle gegeben haben hier. Wir werfen einen kurzen Blick hinein, aber viel
Aufregendes ist
nicht zu erkennen. Das Beste ist der Blick nach draußen ins tiefblaue Wasser. Ein
Riesenkugelfisch lungert auf einer
Sandfläche herum und lässt sich mehr oder weniger geduldig ablichten. Kurz vor dem Ende taucht noch ein großer
Schwarm Fledermausfische auf, sonst sieht man die doch eher
einzeln oder in Kleingruppen.
Auf dem Riffdach hat's das übliche Riffgetier, wie
Feuerfische,
Kugelfische,
Kaiserfische, Falterfische,
Doktorfische,
Warzenschnecken,
Putzergarnelen, und natürlich Drückerfische, mit
denen wir uns beim Ausstieg wieder rumschlagen und die wir durch gezielte Flossentritte vertreiben müssen. Die sind
hier auch nicht freundlicher als auf Layang.
Für den 3. Tauchgang heute fahren wir diesmal nicht nach Mabul rüber, sondern bleiben auf Sipadan. Am
Mid Reef geht's nach der Mittagsverpflegung ins Wasser. So toll wie South Point
oder Drop-Off finde ich diesen Platz allerdings nicht, es ist nicht so bunt und das Fischleben nimmt sich
auch etwas spärlicher aus. Dafür sollte man in der Wand ruhig nach Kleinzeug gucken, was aber generell für jeden
Platz hier gilt, denn
Schnecken hat's hier
mindestens so viele wie Kröten, z.B. auch welche mit
grünen Püscheln, die ich
sonst noch nirgends gesehen habe. Größer geht an diesem Platz aber auch: Wir treffen auf ein paar
fette Kugelfische und mehrere Graue Riffhaie. Mein persönliches Highlight ist jedoch der Leopardenhai, den wir schon aus weiter
Entfernung auf unser Vierergrüppchen zuschwimmen sehen. Als er bei uns angekommen ist, grüßt er kurz, macht eine
Kehrtwendung und schwimmt 3 m neben uns vorbei zurück dahin, wo er hergekommen ist. Schön, mal einen Leopardenhai in
Aktion gesehen zu haben, normalerweise sieht man sie ja doch eher auf dem Boden rumliegend.
Tag Nummer 3 auf Sipadan beginnt wieder am South Point, der Tauchgang heute kommt jedoch nicht ganz an den überirdischen von vorgestern ran, auch wenn's wieder Weißspitzen en masse, 2 Graue Riffhaie und Makrelenschwärme hat. Zu den Kröten muss ich ja sowieso nichts mehr sagen, irgendwie stellt sich leider doch schon langsam ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. Drei Napoleons hat's auch noch, die ansonsten bisher Mangelware waren hier.
Nach ausreichender Oberflächenpause geht's dann am Staghorn Crest wieder abwärts. Der
Tauchgang mutiert zu einem absoluten Highlight, die
senkrechten Wände sind superschön mit Korallen, auf denen jede Menge
Nacktschnecken sitzen, und Unmengen Seefächern bewachsen. Im oberen Riffbereich sorgt die heiße Mittagssonne, die jetzt ideal über
diesem Riffabschnitt steht, für tolle Lichtspiele. Weißspitzenriffhaie, Graue Riffhaie und Stachelmakrelen
patrouillieren um das Riff und
auf wirklich jedem Vorsprung in der Wand und in jeder Ritze hat sich eine
Kröte verkrochen,
zum Teil ganz schöne
Brummer. Oben auf dem Riffdach
wimmelt es nur so von bunten Rifffischen,
Schnecken,
Krebsen und
Garnelen,
die ganze Palette ist dabei. Ein paar fette Zackenbarsche halten Sicherheitsabstand zu unserem Tauchgrüppchen,
wohingegen sich die
30 Büffelkopf-Papageien, die heute wieder
auftauchen, nicht von uns stören lassen und sich ordentlich sattfressen. 10 Minuten lang beobachten wir
sie dabei, bis der Finimeter so langsam der 30-bar-Marke entgegenstrebt und es leider Zeit wird, diesen
Mega-Tauchgang zu beenden.
Zum 3. Tauchgang geht es heute wieder rüber nach Mabul, wo es am frühen Nachmittag am Artificial Reef ins Wasser geht. Hier wurde durch Versenken von Schrott und Gitterkonstruktionen aus Eisen ein künstliches Riff geschaffen, welches allerlei Getier als Unterschlupf dient. Da dieses Riff erst kürzlich geschaffen worden ist, haben sich noch keine Korallen angesiedelt, von besagtem Getier gibt es jedoch genug zu finden. Eine Muräne einer mir bis dato noch unbekannten Art hat sich unter ein paar Felsen verkrochen. In den würfelförmigen Gitterkonstruktionen findet man fette Zackis. Überall schwirrt Kleinzeug herum, darunter Zebra-Seenadeln, Netz-Seenadeln, Faden- und sonstige Nacktschnecken, Garnelen und kleine Krabben. Natürlich hat's auch Fischiges, Igelfische und Drachenköpfe und Krokos zum Beispiel. Ein großer, roter Anglerfisch hat sich ein altes Seil als neue Heimstatt ausgesucht. Ein Fangschreckenkrebs lugt vorsichtig aus einem Loch hervor und ein kleiner Schwarm Schnepfenmesserfische streift in typischer senkrechter Körperhaltung über den Sandboden auf der Suche nach Nahrung.
Dass man von Semporna aus mehr als Sipadan und Mabul anfahren kann, merken wir dann abends beim Nachttauchgang,
wo wir an einem Spot namens Tungs Marker ins Wasser springen, keine 15 Minuten
Bootsfahrt entfernt. Auch hier hat es ein paar hübsche Korallen, besonders gefallen uns aber ein
Tintenfisch, der trotz
unserer Lampen nicht gleich Reißaus nimmt, ein wie eine Spanische Tänzerin herumtanzender
Plattwurm, ein fetter Steinfisch und das Leuchtplankton, dass einen bei Wedeln mit
der Hand wie eine Armee Glühwürmchen umgibt. Natürlich hat es auch hier die ein- oder andere
Nacktschnecke, jede Menge
Garnelen und viel, viel Krabbengetier auf Korallen und im
Sand.
Unser 4. und letzter Tauchtag in den Gewässern um Semporna beginnt mit einer unangenehmen Überraschung. Die Nase
läuft, der Hals ist dick, ich hab mir eine Erkältung eingefangen und das bei über 30 Grad Außentemperatur. Vik
geht es auch nicht besser, haben wir wohl mal wieder die AirCon falsch benutzt. Da ich aber die Ohren noch durchpusten
kann, beschließe ich, mit rauszufahren und es zu versuchen. Heute geht es erstmal nach Mabul, wo wir zwei uns schon
bekannte Plätze ansteuern, erst das Artificial Reef und dann Froggies Lair. Am Nachmittag soll
dann das Highlight des heutigen Tages folgen, ein Tauchgang vor dem 10 Bootsminuten östlich gelegenen Kapalai.
Kapalai war früher eine Insel, ist heute jedoch nur noch eine Sandbank, die nur bei Ebbe die Wasseroberfläche
durchbricht. Alle Holzhütten auf Kapalai sind folgerichtig auf Stelzen errichtet. Beim Anblick dieser ziemlich
schutzlos dem Wasser ausgelieferten Hütten frage ich mich, welche Chance man hier wohl hätte, einen Tsunami
zu überleben. Besagtes Highlight hier sollen ein paar Pygmäenseepferdchen sein, die unsere Guides erst kürzlich
hier in einer Koralle hockend (die Pferde, nicht die Guides) entdeckt haben. Welcher Taucher träumt nicht davon,
einmal diese winzigen, perfekt ihrer Umgebung angepassten Tierchen zu sehen? Der Vorfreude folgt jedoch die
Ernüchterung, weil weder unsere Guides, noch der einheimische Mann am Steuer den Tauchplatz finden. Das Wasser ist
sehr trübe heute und da das Riff erst bei 15 m Tiefe beginnt, ist der Platz vom Boot aus nicht zu erkennen. Auch ein
anderes Boot, welches den gleichen Platz betauchen will, gibt schließlich die Suche auf. Also müssen wir uns mit
einem anderen Platz begnügen und wegen der
starken Strömung heute, die einen gefährlich aufs offene Meer ziehen könnte, fällt die Entscheidung schließlich
auf den Jetty von Kapalai. Die Strömung kachelt gewaltigt und so kostet es einige Mühe, das
kleine Bootswrack zu erreichen, welches vor dem Jetty in 20 m Tiefe auf dem Meeresgrund liegt. Ansonsten gibt es nichts
zu berichten, der Boden ist sandig, die Sicht ziemlich bescheiden, Korallen Fehlanzeige. So wird der letzte Abstieg
hier leider sehr enttäuschend, was aber die gute Laune, die wir hier in den letzten Tagen durch fantastische
Tauchgänge mitgenommen haben, in keinster Weise schmälern kann.
Fazit: Für Sipadan und Mabul braucht man nur 3 Worte, um das Tauchen hier akkurat zu beschreiben: Geil, geil, geil. Wäre mir auf Layang nicht die Hammerhaischule begegnet, würde ich sogar eher hierher zurückkehren als nach Layang Layang. Zu Kapalai kann ich angesichts des einen Tauchgangs, der Scheiße war, natürlich nichts sagen.
Epilog: Auch wenn es nichts direkt mit Tauchen zu tun hat, möchte ich nicht versäumen, ein wenig von
unserer Weiterreise nach Kuala Lumpur zu berichten, da die damit verbundene Busfahrt so ziemlich das Abenteuerlichste
(und vielleicht Lebensgefährlichste) war, was mir in den letzten Jahren passiert ist:
Da ich am Tag nach unserem letzten Tauchgang um 12:30 Uhr am Flughafen von Kota Kinabalu sein muss und ich mit dem Reststickstoff im Blut natürlich nicht vom nahegelegenen Tawau dorthin fliegen kann, heißt das wieder, den Nachtbus zu nehmen, was in die Gegenrichtung ja sehr gut geklappt hat. Diesmal geht es jedoch nicht mit Dyana Express, mit denen wir sehr zufrieden waren, sondern mit Kinabalu Express. Das Ticket hierfür hatte nämlich die Tauchschule besorgt. Der Bus selbst ist schon mal etwas abschreckend, muffig und enge Sitze, das würde bei 8 1/2 Stunden geplanter Fahrzeit schon kein Spaß werden. Fünf Minuten nach der Abfahrt um 19 Uhr fällt Vik siedendheiß ein, dass sie ihren Pass im Safe des Backpackers vergessen hat. Schlechte Idee. Also sie raus aus dem Bus und per Taxi zurück nach Semporna. Ihr sollte ein Höllentrip erspart bleiben ...
Gegen 23 Uhr halten wir das erste Mal an einem kleinen Restaurant am Ende des Universums mitten im bornesischen Dschungel. Nach 20 Minuten Aufenthalt geht's weiter und ich penne fröhlich ein. Eine Stunde später werde ich von einem Einheimischen geweckt, der mir was von "Change bus" entgegen brabbelt. Etwas schlaftrunken gucke ich aus dem Fenster und wundere mich, dass mir dieses Restaurant, an dem wir gerade stehen, verdächtig bekannt vorkommt. Kleine Rundreise gemacht oder wie? Nach Überprüfung, dass mein Gepäck auch wirklich in dem neuen Bus gelandet ist und weiteren 15 Minuten Wartezeit geht's gegen 0.30 Uhr endlich weiter. Aber nur vom Parkplatz runter und 100 m die Landstraße entlang, dann stellt der Fahrer den Bus am Straßenrand ab, steigt aus und macht sich außen am Bus zu schaffen. Ein paar Passagiere steigen ebenfalls aus, und weil nach 10 Minuten immer noch nichts passiert, tue ich es ihnen gleich und schaue mal, was da draußen vor sich geht. Eine Traube von Menschen steht um die geöffnete Motorabdeckung und der Fahrer macht sich mit einem großen Schraubenschlüssel bewaffnet am Motor zu schaffen. Na Prost Mahlzeit, das kann ja wohl noch etwas dauern, fürchte ich. Ich fürchte richtig, doch nach 2 Stunden Schrauben, Hämmern und – ganz wichtig – viel Diskutieren besteigen wir tatsächlich wieder den Bus, der Motor springt an und weiter geht die Fahrt. Wir fahren 2 Kilometer, da geht plötzlich im Bus die gesamte Innenbeleuchtung aus, auch das ansonsten bei Nachtfahrten angeschaltete abgedimmte Grünlicht. Kann ich ja mit leben, denke ich. Etwas unangenehmer finde ich allerdings, dass auch vorne die Scheinwerfer ausgegangen sind. Das denkt sich wohl auch der Fahrer, denn er schaltet den Warnblinker an und - fährt weiter. Nix da mit anhalten und gucken, was los ist, der Warnblinker scheint ihm absolut ausreichend. Schade nur, dass dieser nach weiteren 10 Minuten Fahrt ebenfalls seinen Geist aufgibt und der Bus nun komplett unbeleuchtet über eine dunkle, kurvige, schmale Landstraße durch den Dschungel Borneos fährt. Na gut, denke ich, das wird's dann wohl sein, gleich werden wir wieder anhalten und es wird ein paar weitere Stunden Wartezeit geben. Aber nix da, den Malayen fällt ja immer noch eine "Lösung" ein. Der Assistent des Fahrers zaubert eine Taschenlampe hervor, stellt sich neben den Fahrersitz und leuchtet allen Ernstes nach vorne durch die Windschutzscheibe mit einem Lämpchen auf die Fahrbahn, welche ich gerade mal als Backup-Lampe bei Nachttauchgängen verwenden würde. Als uns ein Sattelzug entgegenkommt, frage ich mich spontan, ob ich gläubig werden und anfangen zu beten soll. Der Sattelzug rauscht ohne Feindberührung an uns vorbei. So fährt also der Bus 30 Minuten lang nur mit Taschenlampe beleuchtet durch die Nacht, bis der Fahrer vermutlich ein Einsehen hat und doch noch anhält. Vielleicht waren aber auch nur die Batterien alle. Nun geht also gar nichts mehr, es ist 2 Uhr morgens, kein Licht am Start und das heißt: Warten, bis es hell wird.
Gegen 4:30 Uhr dämmert es und das erscheint den Cheffes für eine Weiterfahrt ausreichend, also wieder rein in den Bus und weiter geht es lichtlos durch den Dschungel. Wir kommen zügig voran und legen volle 1 1/2 Stunden ohne Zwischenstopp zurück. Dann fährt der Bus links ran und ich denke "Kurze Pinkelpause". Pustekuchen, der Fahrer holt einen großen Kanister aus dem Gepäckraum und fängt an, eimerweise Wasser über die Räder zu schütten, sodass es ordentlich dampft wie in einer finnischen Sauna. Oh Scheiße, denke ich, hier werden offensichtlich mit ganz fortschrittlichen Methoden die Bremsen gekühlt, damit sie nicht überhitzen und ihren Dienst verweigern. Dazu muss man wissen, dass Borneo sehr bergig ist, fährt man von Semporna nach Kota Kinabalu geht es erstmal nur bergauf und nach der Hälfte der Strecke wieder bergrunter, sodass man dann ständig auf der Bremse steht. Offenbar haben wir soeben gut die Hälfte der Strecke zurückgelegt. Dies ist dann auch der Moment, an dem ich mich beginne zu fragen, ob ich meinen Flieger wohl noch erreiche, denn folgerichtig wiederholt sich diese Prozedur noch mehrmals. Immer nach 45 Minuten Fahrt wird angehalten und das Bremskühlsystem aktiviert, was jeweils eine halbe Stunde in Anspruch nimmt. Quälend langsam werden so die restlichen Kilometer abgespult, bis wir endlich, endlich um 10 Uhr morgens nach 15 Stunden on Tour für 400 Kilometer an der Endstation im Osten Kota Kinabalus eintreffen.
Ich erwische direkt einen Shuttle Bus, mit dem ich in die Innenstadt will, da ich aus dem Hostel noch eine Tasche abholen muss, die ich nach der Ankunft von Layang dort deponiert habe. Normalerweise dauert die Fahrt 20 Minuten. Heute scheint aber alles schief zu gehen, denn es ist unmöglich, in die Stadt reinzukommen: Stau, Stau und nochmal Stau, der Kölner Berufsverkehr ist ein Spaß dagegen! Eine Stunde später bin ich endlich im Hostel, hole meine Tasche und schnappe mir ein Taxi, welches mich um 11:20 Uhr am Flughafen absetzt, 10 Minuten vor der letztmöglichen Eincheckzeit. Hurra, es ist doch schön, wenn ein entspannter Urlaub stressfrei zu Ende geht!
Mit dem Flieger geht's dann nach Kuala Lumpur, wo ich auf dem Flughafen Vik wiedertreffe, die schön entspannt morgens um 10 eine Air Asia-Maschine von Tawau direkt nach KL genommen hat. Wir gucken uns dann noch einen Tag die Wolkenkratzer KLs an, bis ich mich nach Hause und Vik nach Ägypten verabschiedet, wo sie ihre nächste Stelle antritt. Weiß ich ja schon, wo ich mich das nächste Mal versenke ...