Epilog St. Helena - Johannesburg und Kruger Park

Knapp fünf Stunden nach dem Start auf St. Helena landet der Airlink-Flieger um 21:15 Uhr auf dem Flughafen von Johannesburg. Die halbe Waterworld-Reisegesellschaft hat sich für mindestens eine Nacht im Sunrock Guesthouse eingebucht. Das Gute ist: Das Hotel liegt nur 10 Fahrminuten vom Flughafen entfernt und bietet einen kostenlosen Shuttle-Service. Das nicht so Gute ist: Es liegt im Stadtteil Kempton Park, welches in Johannesburg ein sozialer Brennpunkt ist. Wobei ich mich frage, ob es in Johannesburg überhaupt einen Stadtteil gibt, der kein sozialer Brennpunkt ist. Allein sollte man hier als Touri jedenfalls nicht durch die Straßen spazieren. Nach dem Passieren des schweren Sicherheitstores fühlen wir uns hinter den hohen, mit Stacheldraht verzierten Mauern aber absolut sicher. Auch die Anlage selbst mit Pool, rund um die Uhr geöffneter Bar und gemütlichen Zimmern macht einen heimeligen Eindruck. Wir fühlen uns jedenfalls direkt wohl und sorgen bei zwei Absackern an der ansonsten menschenleeren Bar noch dafür, dass es dem Staff nicht langweilig wird.

Tag 18: SO, 06.04., Johannesburg

Während Jürgen und Silke schon in aller Frühe zu ihrem Anschlussprogramm im Pilanesberg Game Reserve, drei Stunden nördlich von Johannesburg, aufbrechen, fahre ich nach dem schmackhaften Frühstück mit den Kollegen von der österreichischen Wasserrettung und Lara, die wir auf dem Weg noch einsammeln, per Uber nach Rosebank. Das Viertel hat in den letzten Jahren eine umfassende Sanierung und Neugestaltung erfahren, wodurch ein exklusives Geschäftsviertel entstanden ist. Unser Ziel ist das Büro des Hop-On-Hop-Off-Buses, den wir nach der Erstehung unserer Tickets sogleich entern, um auf einer zweieinhalbstündigen Rundfahrt (Routenkarte hier) die Schönheiten von "Jo'burg", wie die Einheimischen die Stadt nennen, kennenzulernen. Ob es überhaupt welche gibt und wenn ja, welche es sind, entnehme man der folgenden Fotostory.

Nach der Tour stöbern wir noch kurz durch die Geschäfte, verköstigen ein paar Kaltgetränke in irgendeinem Restaurant auf dem The Zone-Boulevard und fahren schließlich gegen 16 Uhr per Uber zum Nelson Mandela Square in Sandton. Der Platz beherbergt nicht nur eine überlebensgroße Statue des Namensgebers, sondern auch die "Sandton City Mall". Mit 373 Geschäften und 31 Restaurants auf einer Fläche von 148.000 Quadratmetern (entspricht 21 Fußballfeldern) hat sie in meiner Welt absurde Ausmaße, steht aber trotzdem nur auf Rang 4 der größten Einkaufszentren Südafrikas. Und den Vergleich mit der weltgrößten Mall, die in Teheran steht und sich über 273 Fußballfelder ausbreitet, stellen wir mal gar nicht erst an. Wir sind auch gar nicht zum Shoppen hier, sondern für das Abschiedsessen in einem Steakhaus, das uns wärmstens ans Herz gelegt wurde. The Butcher Shop & Grill kann die Erwartungen auch durchaus erfüllen, ist jetzt aber auch nicht besser oder schlechter als die meisten anderen Steakhäuser, die ich in den letzten 50 Jahren von innen gesehen habe. Muss ja auch nicht, die Hauptsache ist, dass der Gemütlichkeit Genüge getan wurde.

Um 19:30 Uhr machen wir uns - natürlich per Uber - auf den Rückweg und müssen uns im Sunrock dann voneinander verabschieden, denn während ich noch in den Genuss von vier Tagen Kruger Park komme, fliegen die anderen verbliebenen Wasserweltler morgen nach Hause.

Tag 19: MO, 07.04., Johannesburg → Hazyview

Eigentlich wurde der Fahrer des Transferbusses für 6:45 Uhr angekündigt, weswegen ich etwas erstaunt bin, als ich schon um 6:15 Uhr vom Frühstückstisch gezerrt werde. Wir sammeln noch zwei Handvoll Menschen in den Hotels in Kempton Park ein, bevor es auf die N4 Richtung Osten geht. Fünfeinhalb Stunden dauert die Fahrt nach Hazyview inklusive einer 15-minütigen Pinkelpause auf halbem Weg am Alzu Petroport "in the middle of nowhere". Beim Blick von der Klotür in die Landschaft, bin ich etwas erstaunt: Wie man auf die Idee kommt, an einer Autobahnraststätte ein Gehege mit Rhinos, Büffeln, Straußen und anderen Wildtieren einzurichten, entzieht sich meinem Vorstellungsvermögen. Aber wahrscheinlich verstehe ich einfach das Konzept nicht.

Um 12:30 Uhr setzt der Transferbus mich an der Umbhaba Eco Lodge ab, die wenige Kilometer westlich des Kruger Parks liegt. Die Lodge ist der Knaller: tolles Ambiente, schmackhaftes Essen, sehr freundlicher Staff, moderne und saubere Zimmer und mein "Deluxe Lakeside Room" hat eine Terrasse, auf der man abends mit Blick auf den See ein Kaltgetränk verköstigen kann. Mega!

Um 16 Uhr werde ich zusammen mit ein paar Mitstreitern zur Sunset Safari abgeholt, der ersten von vier Ausfahrten in den Kruger Park, die in meinem bei Kurt Safaris gebuchten, viertägigen Paket enthalten sind. Eigentlich wollte ich einen Tag weniger Kruger und stattdessen einen Tag Drakensberge machen (die sog. "Panorama Tour"), aber leider passte das von den Terminen nicht und ich hätte vier Tage in Jo'burg verbringen müssen. Nur über meine Leiche; eher friert die Hölle zu! Also Johannesburg.

Nach 20 Minuten Fahrt erreichen wir das Numbi Gate, durch das wir in den Park einfahren und uns mit dem Guide treffen, der uns in den nächsten 4 Stunden begleiten und die Tierwelt in den Abendstunden näher bringen wird. Er braucht nur drei Sätze, dann macht sich Ernüchterung bei mir breit: "Kruger is not a good place to see the Big 5". Äh was, eigentlich bin ich genau deswegen hier!? Löwe, Elefant, Nashorn und Büffel hatte ich zwar schon in der Vergangenheit, aber einen Leoparden habe ich noch nie in freier Wildbahn gesehen. Unser Guide erklärt, dass Kruger dafür einfach zu groß und das Wegenetz nicht besonders engmaschig ist. Genau deswegen wurden in den vergangenen Jahrzehnten überall in Südafrika kleine, private Wildresevate eingerichtet, wo man aufgrund des beschränkten Raumes viel größere Chancen hat, die Objekte der Begierde zu sehen. Was bei mir unweigerlich die Frage auslöst, wo eigentlich das Wildreservat endet und der Zoo beginnt. Wahrscheinlich ist der Übergang fließend. Wie auch immer, die erste Ausfahrt (neudeutsch "Game Drive") ist mit Hippos und Büffeln schon mal ganz erfolgreich. Und die Kaninchen nicht zu vergessen, die sich auf Nachfrage als Buschhasen entpuppen.

FOTOSTORY HIER

Um 20 Uhr sind wir zurück in der Lodge. Genau die richtige Zeit, um sich an der hervoragenden Küche zu laben und ein kühles Sunset Safari Brew zu sich zu nehmen.

Tag 20: DI, 08.04., Kruger Park

Organisierte Kruger-Safaris haben nicht unbedingt was mit Urlaub zu tun, denn schon um 5:30 Uhr werde ich eingesammelt, weswegen ich das Frühstück schon gestern Abend in Form eines Care-Pakets erhalten habe. Kurz vor Toresöffnung um 6 Uhr sind wir mit unserem gut gefüllten Jeep (7 von 9 Plätzen sind besetzt) am Phabeni Gate, wo schon mindestens 20 Fahrzeuge stehen und Einlass begehren. Allzulange dauert es aber nicht, bis wir durch sind und zu unserem zweiten Game Drive starten können, der wie üblich in Form einer Fotostory für die Nachwelt festgehalten ist.

Um 16 Uhr werde ich im Umbhaba abgesetzt. Macht also 10 1/2 Stunden auf dem Jeep, nur unterbrochen durch Frühstücks- und Mittagspause. Angesichts dessen, was wir heute schon gesehen haben, will ich mich nicht beschweren, aber trotzdem ist so eine Marathon-Ausfahrt auch ein bisschen anstrengend. Daher lege ich für den Rest des Nachmittages auf der Terrasse die Füße hoch und schaue dem Regen dabei zu, wie er in den See vor meinem Appartment prasselt.

Tag 21: MI, 09.04., Kruger Park

Vom Ablauf her ist der zweite volle Tag im Kruger Park eine Kopie des ersten. Allerdings hat schon ein Großteil der Teilnehmer von gestern die Segel gestrichen: Dem älteren Ehepaar ist eine zweite Ausfahrt zu stressig (kann ich verstehen) und das junge deutsche Pärchen reist lieber einen Tag früher ab, um sich noch Johannesburg anzugucken (mein Beileid!). Wir sind nur noch zu dritt, was für die Fotografiererei natürlich ein unschlagbarer Vorteil ist, denn so hat jeder Teilnehmer eine Sitzreihe für sich alleine und kann nach Belieben von links nach rechts rutschen, je nachdem, wo gerade was zu sehen ist. Nachdem wir gestern – völlig entgegen der Ansage unseres Guides von vorgestern – schon vier der Big Five gesehen habe, hoffe ich sehr, dass wir vielleicht doch noch einen Leoparden zu Gesicht bekommen.

FOTOSTORY HIER

Wie schon gestern sind wir gegen 16 Uhr zurück in der Lodge. Nach kurzer Diskussion mit mir selbst beschließe ich, der morgigen Halbtagesausfahrt fernzubleiben. Ich habe alles gesehen, was ich sehen wollte und kann mir nicht vorstellen, dass da morgen Vormittag noch viel Neues kommen kann. Statt also wieder um 5 Uhr aufzustehen, will ich an meinem letzten Tag lieber ausschlafen, mal ordentlich frühstücken und dann bis zur Rückfahrt nach Johannesburg noch etwas entspannen.

Tag 22: DO, 10.04., Hazyview → Johannesburg

Genau so mache ich es dann auch. Nach dem ausgedehnten Frühstück, in dessen Genuss ich die letzten beiden Tage ja leider nicht gekommen bin, streune ich über das Gelände und gucke, wo ich eigentlich bin. Mehr als Rezeption, Speisesaal und mein Appartment habe ich ja noch nicht gesehen.

UMBHABA HIER

Um 12:45 Uhr steht der Shuttle-Bus vor der Tür. Mit zwei Stops in Mbombela, das ich noch als "Nelspruit" kenne, und am Anzu Petroport geht es zurück nach Kempton Park. Um 18:30 Uhr bin ich zurück im Sunrock, wo ich vor drei Tagen mein Tauchgepäck zurückgelassen habe. Mir bleibt noch eine Stunde, um umzupacken und darüber zu sinnieren, ob der Kruger-Nationalpark die Gurkerei von und nach Johannesburg wert war. Mein Fazit lautet: absolut! Wobei ich zweieinhalb Tage auch vollkommen ausreichend fand, denn der Ausflug ist auch im Park selbst mit sehr viel Fahrerei verbunden. Mehr als zwei Tage hintereinander möchte ich einfach nicht 10 Stunden lang in einem Jeep hocken. Wobei wir zugegebenermaßen auch Glück hatten: Wäre der Leopard an Tag 2 nicht aufgetaucht, hätte ich die Halbtagesausfahrt heute Morgen sicher noch gemacht. Das wäre dann aber auch die Schmerzgrenze für mich gewesen.

Ich habe gerade zu Ende sinniert, da geht es auch schon zum Flughafen: Um kurz vor Mitternacht hebt der KLM-Flieger von O.R. Tambo ab. 15 Stunden und einen Zwischenstopp in Amsterdam später, bin ich wieder im schönen Rheinland – im Gepäck viele schöne, neue Erinnerungen und die noch zu beantwortende Frage, wo es wohl beim nächsten Mal hingeht.