- Woche 1 Windhuk -> Okavango Delta Omatako, Kalahari und Botswana
- Woche 2 Okavango Delta -> Sesriem Caprivi, Fish River Canyon und Namib
- Woche 3 Sesriem -> Etosha Sossusvlei, Swakopmund und Etosha
- Woche 4 Etosha -> Kapstadt Waterberg, Windhuk und Kapstadt
- Woche 5 Kapstadt Ankommen am Kap
- Woche 6 Kapstadt Tafelberg, Kap-Halbinsel und Stadtleben
- Woche 7 Kapstadt -> Hermanus/Gansbaai Whale Coast und Haikäfig
- Woche 8 Hermanus -> Storms River Kleine Karoo und Garden Route
- Woche 9 Storms River -> Coffee Bay Eastern Cape und Wild Coast
- Woche 10 Coffee Bay -> Margate Wild Coast Richtung KwaZulu-Natal
- Woche 11 Margate -> Durban Umkomaas und Durban
- Woche 12 Durban -> Bushlands St. Lucia und Zululand
- Woche 13 Bushlands -> Sodwana Bay Hluhluwe-Umfolozi und Sodwana
- Woche 14 Sodwana Bay -> Swaziland -> Bushlands Swaziland und Nordostküste
- Woche 15 Bushlands -> Lesotho -> Kapstadt Sani Pass, Lesotho und Rückflug
Woche 2, 30.11. - 06.12.: Okavango Delta → Windhuk → Fish River Canyon → Lüderitz → Sesriem
Mahango Game Reserve
Der erste Tag von Woche 2 beginnt für mich um 6 Uhr morgens. Sobald es hell ist, gehe ich im umliegenden Busch
auf die Suche nach meinem Portemonnaie, in der Hoffnung, die Diebe haben nur das Geld herausgenommen und den Rest
weggeworfen. Nach 2 1/2 Stunden Suche gebe ich auf. Gegen 10 Uhr erscheint die Polizei und nimmt die Aussagen auf.
Angesichts des etwas begriffstutzigen Oberkommissars, der eher den Eindruck eines
gemütlichen Rhinozeros' hinterlässt, bezweifle ich allerdings einen Fahndungserfolg in dieser Sache. Ich telefoniere noch mit Deutschland
und Mastercard USA, um alle Karten und das Handy sperren zu lassen und mir Notfall-Mastercard sowie Notfallcash
nach Windhuk transferieren zu lassen, wo beides innerhalb von 48 Stunden verfügbar sein soll. Für die Zwischenzeit
leihe ich mir 300 N$ (ca. 40 EUR) von Bennie, das sollte ausreichen, um einige Zeit über die Runden zu kommen.
Da meine Safari für die nächsten 3 Wochen ja schon bezahlt und nahezu all-inclusive ist, brauche ich nur ein
bisschen Kleingeld für Getränke und - ganz wichtig - Schokolade. Nachdem alle polizeilichen Formalitäten erledigt
sind, steigen wir wieder in unsere Hyäne und weiter geht die Fahrt nach Norden, wo wir bei Mahango wieder nach
Namibia einreisen und uns direkt in einem Wildreservat, dem Mahango Game Reserve, befinden. Sofort beginnt es, wie
aus Eimern zu schiffen. Das tut dem Game Drive, den wir sogleich starten, aber keinen Abbruch. Wir spotten Unmengen
Viecher, von denen ich den größten Teil noch nie live und in Farbe gesehen habe -
Strauße, Zebras,
Sable-Antilopen,
Warzenschweine, Impalas,
Kudus,
Springboks, Paviane, Gnus und sogar zwei
Elands, die größte Antilope Afrikas. Der Höhepunkt sind aber Büffel und die Hippos,
die sich im Okavango tummeln. Am Abend erreichen wir das Ngepi Camp,
wo wir heute übernachten. Das Camp ist echt schick, mit Duschen, die mehr einem Dschungel gleichen und einer gut
ausgestatteten Bar, wo ich schon mal 90 der 300 geliehenen N$ durchbringe und die leichte Sorge, die mir die nahe
Lage unserer Zelte zum krokodilbehafteten Wasser bereitet, mit
Herrn Walker runterspüle.
Ngepi Camp → Roys Camp
Früh am nächsten Morgen geht es weiter Richtung Rundu. Unser erster Stopp sind die ziemlich unbeeindruckenden
Popa Falls, die den Namen "Falls" nicht
wirklich verdient haben. In Rundu halten wir kurz zum Einkaufen und Mittagessen. Außerdem lassen wir zwei der zerstörten
Landcruiser-Reifen flicken, was hier in Namibia ungefähr so lange dauert, wie in Deutschland das Flicken von
Fahrradreifen. Kurz hinter Rundu passieren wir eine üble Unfallstelle. Ein Sattelzug hat sich von der Straße
verabschiedet und liegt
upside down am Straßenrand.
Von einem Kollegen aus der Menschenmenge, die sich aus den umliegenden Dörfern schon versammelt hat, erfahren wir, dass
dem Fahrer wie durch ein
Wunder nichts passiert ist. Der Lkw hatte Fisch geladen, welcher jetzt von den Einheimischen zentnerweise abtransportiert
wird, auf Mofas, Fahrrädern, Pickups oder auch Eseln, was immer gerade zur Verfügung steht. Noch auf den nächsten
10 km kommen uns Einheimische entgegen, die zur Unfallstelle eilen, in den nächsten Wochen gibt's wohl in der
gesamten Umgebung von Rundu nur Fisch. Am späten Nachmittag erreichen wir, nach einem langen Tag
on the road,
Roys Camp, wo wir heute, nach ausgiebigem Bad im Pool und
fettem Braai zum Abendessen, übernachten.
Roys Camp → Windhuk
Am nächsten Tag wartet zuerst mal der Hoba Meteorit darauf, von uns besucht zu werden. Mit einem Gewicht von 54 Tonnen handelt es sich hierbei um den weltweit größten, jemals entdeckten Meteoriten. Da 54 Tonnen sicherlich nicht ausreichen, um das Aussterben der Dinosaurier hinreichend zu erklären, bedeutet dies gleichzeitig, dass man vielleicht nur noch nicht ausgiebig genug gesucht hat. Nach dem obligatorischen "Hurra, ich war hier!"-Foto, geht's weiter über Grootfontein nach Otjiwarongo. Ich versuche, in der Standard Bank, der größten Bank Namibias, herauszukriegen, was mit meiner Notfallkarte ist, aber auch nach einem Anruf in Windhuk bei der Hauptzentrale wissen die von nichts und ich soll nochmal bei Mastercard in den USA anrufen. Hrgl. Mein Problem ist, dass ich heute Abend erst nach Geschäftsschluß Windhuk erreichen werde und morgen früh vor Geschäftsöffnung mit der Chameleons schon weiter gen Süden reise. Wie also an Karte und Cash kommen? Um 17.30 Uhr erreichen wir Windhuk, wo schon ein Bett im Chameleon Backpackers auf mich wartet. Das Hostel ist viel besser als die Cardboard Box, saubere Zimmer mit wenigen Betten, auch in den Dorms und alles viel gemütlicher. Äußerst entspannend finde ich auch den Vorschlag von Jackie, der Besitzerin von Chameleons, dass sie mir 1000 N$ für die restlichen 2 Wochen leiht, damit ich morgen direkt mit weiterfahren kann. Ich würde sonst einen ganzen Tag verpassen und schließlich wüsste ich ja nicht mal, ob die Karte überhaupt schon da ist. Recht so.
Windhuk → Quiver Tree
Also steige ich am nächsten Morgen zusammen mit 6 neuen Mitreisenden und neuem Guide ("Beanie", 22-jährige
Südafrikanerin aus Jo'burg) zum nächsten Abschnitt der Safari, den 12 Tagen Namibian Highlights, in einen
Erdwolf ein.
Wir werden erst ganz in den Süden zum Fish River Canyon fahren, dann durch die Namib Wüste zur Küste nach Swakopmund,
hoch nach Etosha und schließlich zurück nach Windhuk.
Überrascht stelle ich fest, dass ich mit 34 Jahren tatsächlich der zweitjüngste Gast auf diesem Trip bin, obwohl ich schon
den Titel des ältesten Backpackers auf der Südhalbkugel für mich geltend machen wollte. War wieder nix. Dass ich dann
am ersten Tag der Highlights doch nicht so viel verpasst hätte, zeigt sich schnell, der Tag besteht ausschließlich
aus Fahrerei. Über Rehoboth und Mariental geht es nach Quiver Tree, einem Campingplatz 20 km vor Keetmanshoop
(dt.: "Keetmans Hoffnung"), mitten im Niemandsland. Links von uns die Kalahari, rechts von uns die Namib. Die
Landschaft entspricht hier viel eher meinen Vorstellungen, die ich von Namibia hatte, ziemlich trocken, wenig Grün,
Wüste halt, ganz anders als im grünen Norden. Bei einem kleinen Walk genießen wir die
atemberaubende Felslandschaft, in der die
Quiver Trees (dt.: "Köcherbäume") wachsen. Die heißen so, weil die
Buschmänner aus ihren hohlen Ästen früher die Köcher für ihre Pfeile gefertigt haben. Inmitten dieses Niemandsland
verbringen wir den Abend mit dem
gemütlichen Entleeren
des mitgebrachten Dosenbiers und werden nach Sonnenuntergang noch Zeuge eines sehr geilen Gewitters, welches um
Haaresbreite an uns vorüberzieht.
Fish River Canyon
Wie üblich geht's am nächsten Morgen früh los (5.30 Uhr), über Keetmanshoop geht es zum
Fish River Canyon, dem angeblich zweitgrößten Canyon weltweit. Ob das
wirklich stimmt, ist ziemlich nebensächlich, denn als sich die riesige Schlucht vor uns auftut, können wir nur noch mit
offenem Mund davor stehen und staunen. Stunning! Eigentlich besteht der Fish River Canyon aus zwei ineinander
geschachtelten Canyons. Der äußere ist durch tektonische Verschiebungen entstanden, der darin liegende durch einen
Fluss (den Fish River halt), weswegen er eigentlich ein
Gorge ist, wie die Aussies jetzt bemerken und gleichzeitig ihren Kings Canyon als
weltgrößten Canyon deklarieren würden. Mir doch Wurst. Schade ist, dass wir nicht in den Canyon runtersteigen können,
Zutritt ist nur mit Voranmeldung möglich und der Track die Schlucht entlang dauert schlappe 4 Tage. So viel Zeit haben
wir leider nicht, sodass es bei einem einstündigem Spaziergang am Rand entlang bleibt. Anschließend geht die Fahrt
weiter nach Klein Aus zu einem kleinen Campingplatz mitten in der Pampa, umgeben von einer Felslandschaft, in der
sich prima herumkraxeln lässt.
Klein Aus / Kolmanskop / Lüderitz
Der folgende Tag startet mit einer Fahrt durch das "Sperrgebiet". Das heißt wirklich so, der Zutritt ist
strengstens verboten, man darf die Straße, die schnurgerade durch das Sperrgebiet
führt, nicht verlassen. Hat ein bißchen was von Helmstedt nach Berlin vor 1989. Das "Sperrgebiet" gehört der NAMDEB,
der namibischen Gesellschaft für Diamantenabbau, die hier immer noch nach den
edlen Steinen gräbt, wenn auch die ganz fetten Zeiten vorbei sind. Kein Wunder, dass sie da niemanden haben wollen,
der sich mal etwas im Sand umsieht. Nach einer Stunde Fahrt durch die
endlose Wüste erreichen wir
Kolmanskop ("Kolmanns Kuppe"), eine verlassene Geisterstadt, die in den fetten Jahren das Hauptquartier der NAMDEB und eine
richtige Boomtown war. Hier stand zum Beispiel, mitten in der Wüste, das erste Röntgengerät Afrikas, also an Kohle hat
es nicht gemangelt. Heute verirren sich nur noch Touris hierher und bestaunen die verfallenen Gebäude, von denen größtenteils
der Sand Besitz ergriffen hat.
Nach unserem zweistündigen Aufenthalt geht's weiter die paar Kilometer nach Lüderitz, direkt
am Atlantischen Ozean. Die Stadt sieht aus, als wär sie direkt dem
Schwarzwald entsprungen, da haben sich wohl ein paar deutsche Baumeister zu Kolonialzeiten mächtig augetobt. Folgerichtig ist die
kulinarische Spezialität hier "Blackforest Cake", den ich selbstverständlich auch sofort probieren muss. Nicht schlecht,
aber an das Original kommt er dann doch nicht ganz ran. Wir machen noch einen kurzen Abstecher zum Diaz Point, wo
vierzehnhundertirgendwas (87 glaube ich) der portugiesische Seefahrer Bartholomeo Diaz gelandet ist, aber außer ein
paar müffelnden Seehunden und viel blauem Wasser gibt's nichts zu sehen. Deswegen geht's bald wieder zurück
Richtung Klein Aus, jedoch nicht ohne einen Besuch bei den Wildpferden. Die streifen seit fast 100 Jahren durch die
Wüste und sind weltweit die einzigen
in der Wüste lebenden Wildpferde,
150 Stück an der Zahl. Niemand weiß genau, woher diese Tiere stammen, es gibt die unterschiedlichsten Theorien:
- Sie seien die Überlebenden einer Schiffshavarie an der Küste bei Lüderitz.
- Sie seien von der Farm des Barons Hansheinrich von Wolf, der eine große Pferdezucht südlich von Maltahöhe besaß, ausgebüxt.
- Deutsche Schutztruppen hätten sie beim Abzug aus Deutsch-Südwestafrika zurückgelassen.
- Sie stammen aus der südafrikanischen Kavallerie, die hier 1915 beim Kampf gegen die Deutschen lagerte, und sind während eines deutschen Fliegerangriffs in Panik in die Wüste geflüchtet.
Schlecht genährt sehen sie jedenfalls nicht aus, die Frage, woher sie in dieser trockenen Einöde Futter bekommen, bleibt jedoch unbeantwortet. Am späten Nachmittag bleibt noch Zeit für einen dreistündigen Spaziergang durch die Felslandschaft rund um unseren Campingplatz, was nach der vielen Sitzerei im Landcruiser doch mal ganz guttut.
Klein Aus → Sesriem
Am letzten Tag von Woche 2 geht es mal wieder ganz früh los, quer durch die fantastische Namib Desert und den
Namib-Naukluft-Park. Erst dominiert noch Geröll, dann folgen die
Sandpisten und
trockenes Grasland, bis schließlich die
höchsten Sanddünen der Welt ins Blickfeld kommen. Über 300 m hoch türmt sich der Sand der höchsten Dünen auf. Nach mehreren
Plattfüßen, bei deren Reparatur wir ausgiebig Zeit haben, die
Bauwerke der Webervögel zu begutachten, erreichen wir
am frühen Nachmittag Sesriem und haben erstmal Zeit zum Nichtstun. Dann machen wir uns zu dritt auf den 3 km langen
Marsch zur massiven Elim-Düne, die über 200 m in den
Himmel ragt. Am Fuße warten schon ganze Busladungen, die auch
auf die Düne wollen, aber der Aufstieg zum höchsten Punkt gestaltet sich in dem tiefen Sand ziemlich langwierig und
anstrengend - immer wenn man denkt, man ist oben, folgt eine weitere Erhebung.
So verabschieden sich nach und nach immer mehr Dünensteiger, bis ich schließlich alleine bin und es nach 1 1/2 Stunden
Aufstieg endlich nach ganz oben schaffe, wo ich mich
erstmal 20 Minuten hinhocke, um den genialen 360 Grad-Rundumblick bei 50 km
Sichtweite über die Wüste zu genießen. Ganz titaniclike fühle ich mich ein klein wenig wie der König der Welt.
Nach geraumer Zeit meldet mein Magen dann dem Großhirn, dass ich blöderweise nicht der König der Welt bin,
sondern hungrig. Also geht's die Düne im Laufschritt wieder bergab und mit den zwei anderen, die unten auf mich
gewartet haben, die 3 km zurück zum Camp. Der einsetzende Sonnenuntergang taucht die umliegenden Berge in ein
gleißendes Rot und ich hab schon wieder ein
Oz-Deja Vu - Ayers Rock '97, da hatte es auch so ein Farbenspiel.
Ein klasse Tag geht dann bei einem schmackhafte Braai zu Ende und auch die Nacht bleibt ruhig, da die angedrohten
Schakale, die uns die Schuhe klauen wollen, nicht auftauchen.